TECHNISCHER LEITFADEN

Was steht auf dem QR-Code? DPP-Datenträger & das EU-Register

Veröffentlicht 24.09.2026 · Lesezeit ~4 Min · von Lior Gabriel Graetz · LG Fashion Labs

Ein harmonisierter EU-Standard für genau dieses Thema existiert bereits: EN 18220:2026, die CEN-CENELEC-Norm für Datenträger, wurde am 15. Juli 2026 als harmonisierte Norm im Amtsblatt zitiert — das bedeutet, eine Marke, die sich schon jetzt danach richtet, erhält eine Konformitätsvermutung mit Artikel 10 der ESPR. Die verbreitetste Annahme über den Digitalen Produktpass ist zugleich falsch: dass der QR-Code auf dem Kleidungsstück die Daten enthält. Das tut er nicht. Er enthält einen Link. Was tatsächlich wo gespeichert wird — auf dem Produkt, bei Ihrer Marke oder bei der Europäischen Kommission — ist im Text der ESPR selbst präzise geregelt, und es ist weniger zentralisiert, als die meisten erwarten.

Dieser Leitfaden geht den Datenträger durch, das EU-Register, das diesen Sommer live gegangen ist, und die CEN-CENELEC-Normen hinter beiden — direkt auf Basis von EUR-Lex und CEN-CENELEC, live geprüft.

Ein Link, keine Daten

Der QR-Code auf einem Kleidungsstück enthält einen Link zum Pass — nicht die Passdaten selbst.

Offen seit 20. Juli 2026

Die Kommission hat das EU-DPP-Register am 20. Juli 2026 gestartet; das Anlegen von Organisationsprofilen und die Identitätsprüfung sind möglich. Das Register speichert Kennungen und Registrierungsmetadaten — keine Markendaten. Laut Benutzerleitfaden der Kommission (v1.03, 16. September 2026) ist die Registrierung eines Passes noch nicht möglich.

CEN-CENELEC

Das Normungsgremium hinter dem Format des Datenträgers und den technischen Spezifikationen des Registers.

1. Was tatsächlich auf dem Datenträger steht

Die ESPR definiert einen „Datenträger“ weit: „einen Strichcode, ein zweidimensionales Symbol oder ein anderes automatisches Datenerfassungsmedium, das von einem Gerät gelesen werden kann“ (Artikel 2 Nummer 29). Ein QR-Code ist das naheliegendste Beispiel, aber die Definition umfasst auch NFC-Chips, RFID-Tags und andere Formate — das Gesetz ist gegenüber dem Trägermedium technologieneutral.

Woran der Datenträger tatsächlich anknüpft, ist eng und konkret gefasst: die Verbindung mit einer „dauerhaften eindeutigen Produktkennung“ (Artikel 10 Absatz 1 Buchstabe a) — einer Zeichenfolge, die „einen Weblink zum digitalen Produktpass ermöglicht“ (Artikel 2 Nummer 30). Mehr nicht. Der Datenträger ist ein Verweis, keine Nutzlast. Artikel 10 Absatz 1 Buchstabe b verlangt, dass er auf dem Produkt, seiner Verpackung oder den dem Produkt beigefügten Unterlagen physisch angebracht ist. Im Benutzerleitfaden der Kommission für Wirtschaftsteilnehmer (v1.03, 16. September 2026) kodiert der Datenträger den Unique Product Identifier (UPI) des Passes, und die Passdaten müssen jederzeit erreichbar sein. Für die Registrierung muss der UPI eine URL sein: in einem Format nach den JTC-24-Normen, höchstens 2.000 Zeichen lang, mit https:// beginnend und zu dem Ort führend, an dem die Passdaten gehostet werden.

Eine praktische Pflicht, die sich zu kennen lohnt: Artikel 10 Absatz 3 verlangt, dass die Marke, die das Produkt in Verkehr bringt, Händlern und Online-Marktplätzen eine digitale Kopie des Datenträgers oder der Kennung zur Verfügung stellt, damit sie diese einem potenziellen Kunden zugänglich machen können, der das Produkt selbst physisch nicht erreichen kann — der klassische Fall ist jemand, der online ein Angebot durchstöbert, ohne ein Kleidungsstück vor sich zu haben, das er scannen könnte. Diese Kopie oder ein Link zu einer Webseite muss kostenlos bereitgestellt werden, innerhalb von fünf Arbeitstagen nach Erhalt der entsprechenden Aufforderung.

2. Wo die echten Daten wirklich liegen

Nicht bei der EU. Artikel 11 Buchstabe c der ESPR ist eindeutig: Der digitale Produktpass „wird von dem für seine Ausstellung verantwortlichen Wirtschaftsteilnehmer oder von unabhängigen Digitalproduktpass-Drittdienstleistern gespeichert“. CEN-CENELEC — die Normungsorganisation, die das technische Rahmenwerk aufbaut — beschreibt das Ergebnis als hybride Struktur: weder eine zentrale staatliche Datenbank noch vollständig dezentral, sondern eine Aufteilung der Verantwortlichkeiten zwischen der Kommission und Drittdienstleistern, bei denen es sich in der Regel um private Unternehmen handelt.

Die Marke (oder ihr Dienstleister) trägt zudem eine Ausfallsicherungspflicht: Artikel 10 Absatz 4 verlangt, dass beim Inverkehrbringen des Produkts eine Sicherungskopie des Passes über einen Digitalproduktpass-Dienstleister zur Verfügung gestellt wird, und Artikel 11 Buchstabe e verlangt, dass der Pass verfügbar bleibt, selbst wenn der ursprüngliche Wirtschaftsteilnehmer insolvent wird oder seine Tätigkeit einstellt.

3. Was das EU-Register tatsächlich speichert

Das von der Kommission betriebene „Register“ ist real und live — speichert aber weit weniger, als der Name vermuten lässt. Artikel 13 Absatz 1 verpflichtete die Kommission, es bis zum 19. Juli 2026 einzurichten und darin „auf sichere Weise mindestens die eindeutigen Produktkennungen“ zu speichern (zur „eindeutigen Produktkennung“ siehe die Definition in Artikel 2 Nummer 30; die englische, französische, spanische und italienische Fassung sprechen allgemeiner von „unique identifiers“, „identifiants uniques“, „identificadores únicos“ bzw. „identificativi univoci“), dazu Warencodes für Waren, die über den Zoll in die EU gelangen. Die Seite der Kommission zum DPP-Register beschreibt eine sichere Datenbank, die die eindeutigen Kennungen, die Registrierungsdaten und übergeordnete Metadaten je Produkt speichert. Laut dem Benutzerleitfaden der Kommission für Wirtschaftsteilnehmer (v1.03, 16. September 2026) hält das Register nicht die vollständigen DPP-Daten vor, sondern nur eine Teilmenge der Informationen, die zur Identifizierung des Passes und zum Zugriff darauf nötig sind, etwa eindeutige Produktkennungen und den Ort, an dem der Pass gehostet wird. Der Registrierungsdatensatz verbindet den Unique Product Identifier (UPI) mit einem Unique Registration Identifier (URI), den das Register vergibt. CEN-CENELEC, die Normungsorganisation, beschreibt ein Register, in dem die Kennungen der Produkte, der Hersteller und der Fabriken gespeichert werden (15. Juli 2026).

Das im Leitfaden beschriebene Registrierungsformular für Batterien enthält kein Feld für einen Warencode und verlangt neben der Produktgruppe und der voreingestellten Artikelebene nur den UPI sowie optional eine Modell- und eine Chargenkennung. Die Kommission hat die Durchführungsverordnung (EU) 2026/1778 am 16. Juli 2026 angenommen; sie legt fest, wie das Register funktioniert. Am 20. Juli 2026 hat die Kommission das Register zusammen mit einer Testumgebung gestartet (Meldung der Kommission vom selben Tag).

Aktueller Stand. Das Register wurde am 20. Juli 2026 gestartet. Laut dem Benutzerleitfaden der Kommission für Wirtschaftsteilnehmer (v1.03, zuletzt veröffentlicht am 16. September 2026) steht es für die Authentifizierung per EU Login, das Anlegen von Organisationsprofilen („Enrolment“) und die Identitätsprüfung offen; außerdem gibt es eine separate Testumgebung. Die Registrierung eines Passes lässt sich derzeit noch nicht abschließen. Im Leitfaden heißt es (englischer Originalwortlaut): „Successful registration of DPPs for batteries is not currently available, as the semantic catalogue for this product group has not yet been defined. Currently, it is not possible to successfully register DPPs.“ Batterien sind die erste angebotene Produktgruppe; weitere Produktgruppen werden schrittweise und gemäß dem Arbeitsplan zur ESPR eingeführt. Textilien gehören nicht zu dieser ersten Phase.

Der Leitfaden verwendet zwei leicht zu verwechselnde Abkürzungen. Der Unique Product Identifier (UPI) ist die URL, die Sie selbst angeben (siehe Abschnitt 1). Der Unique Registration Identifier (URI) wird vom Register nach erfolgreicher Registrierung vergeben und stellt über einen UPI die Verbindung zu bereits vorhandenen DPP-Daten her. Das Register verarbeitet den UPI bei der Validierung und weist zum Beispiel URLs mit nicht unterstütztem Protokoll, nicht zugelassener Domain, nicht zulässigem Netzwerkport, übermäßig vielen Weiterleitungen oder einer Weiterleitung auf ein weniger sicheres Protokoll zurück. Für die Registrierungskennung selbst nennt der Leitfaden kein Format; Artikel 8 Absatz 8 der Durchführungsverordnung (EU) 2026/1778 verlangt lediglich, dass sie eindeutig und dauerhaft ist.

Die Kommission kann pro Produktgruppe zusätzliche Daten verlangen (Artikel 13 Absatz 2), wobei sie mindestens die Notwendigkeit, die Überprüfung der Echtheit eines Passes zu ermöglichen, die Relevanz der Informationen für die Verbesserung der Effizienz und Wirksamkeit der Marktüberwachungs- und Zollkontrollen sowie die Notwendigkeit, einen unverhältnismäßigen Verwaltungsaufwand für die Wirtschaftsteilnehmer und die Zollbehörden zu vermeiden, berücksichtigt. Der vollständige DPP-Datensatz ist nicht der Standardinhalt.

Nicht dasselbe

Register vs. Webportal vs. der Pass selbst

Auch das Register ist nicht textilspezifisch — der Anwendungsbereich (Artikel 1) der Durchführungsverordnung (EU) 2026/1778 deckt dieselbe Infrastruktur zusätzlich für Batterien (Verordnung (EU) 2023/1542, Artikel 77), Bauprodukte (Verordnung (EU) 2024/3110, Artikel 76), Spielzeug (Verordnung (EU) 2025/2509, Artikel 19) und Wasch- und Reinigungsmittel (Verordnung (EU) 2026/405, Artikel 21) ab — jeweils unter ihrem eigenen Produktrecht. Es handelt sich um sektorübergreifend gemeinsam genutzte Infrastruktur, kein reines Mode-System. Gemeinsam genutzt bedeutet nicht risikoarm: Sobald das Register mit dem Single-Window-System der EU für den Austausch von Bescheinigungen im Zollbereich (EU CSW-CERTEX) verknüpft ist, spätestens bis zum 6. August 2030, dürfen die Zollbehörden ein eingeführtes Produkt, das unter einen delegierten Rechtsakt fällt, nur dann in den zollrechtlich freien Verkehr überführen, wenn sie mindestens überprüft haben, ob seine eindeutige Registrierungskennung und sein Warencode den im Register gespeicherten Daten entsprechen (Artikel 15 Absätze 1 bis 3 ESPR).

4. Die Normen, die das Ganze zum Laufen bringen

Die technischen Details liegen beim CEN-CENELEC Joint Technical Committee 24, „Digital Product Passport – Framework and System“ (Sekretariat beim deutschen DIN – Deutsches Institut für Normung), das unter dem EU-Normungsauftrag M/604 arbeitet. Es hat acht EN-Normen erarbeitet: EN 18216 (Datenaustauschprotokolle), EN 18219 (Eindeutige Kennungen), EN 18220 (Datenträger), EN 18221 (Datenspeicherung, -archivierung, -persistenz), EN 18222 (APIs für Lebenszyklusmanagement und Durchsuchbarkeit), EN 18223 (Systeminteroperabilität), EN 18239 (Zugriffsrechteverwaltung, Sicherheit, Vertraulichkeit) und EN 18246 (Datenauthentifizierung, Zuverlässigkeit, Integrität) — darunter EN 18220:2026 „Digital product passport – Data carriers“, die Norm, die genau dieses Thema regelt.

Sechs der acht Normen — EN 18216, 18219, 18220, 18221, 18222 und 18223 — wurden am 15. Juli 2026 als harmonisierte Normen im Amtsblatt der Europäischen Union zitiert (Durchführungsbeschluss (EU) 2026/1736 der Kommission, angenommen am 14. Juli 2026). Diese Zitierung hat rechtliche Bedeutung: Die Einhaltung einer zitierten harmonisierten Norm begründet eine „Konformitätsvermutung“ mit den grundlegenden Anforderungen der ESPR — das heißt, eine Marke, die EN 18220 korrekt anwendet, muss nicht gesondert nachweisen, dass ihr Datenträger Artikel 10 erfüllt. Zwei Normen — EN 18239 (Zugriffsrechte-Sicherheit) und EN 18246 (Datenauthentifizierung) — wurden bislang noch nicht zitiert.

Was das alles noch nicht festlegt: welche konkrete Datenträger-Technologie Modeprodukte tatsächlich verwenden müssen. Dieses Detail wird pro Produktgruppe im jeweiligen delegierten Rechtsakt festgelegt, und bislang wurde noch kein delegierter Rechtsakt für Textilien erlassen — EN 18220 sagt also heute, wie sich ein konformer Datenträger verhalten muss, nicht, welchen genau Ihre Kleidungsstücke tragen müssen.

DPP-AUDIT

Wie steht Ihre Kollektion zur DPP-Bereitschaft?

Bewerten Sie eine vollständige Kollektion gegen das LGFL DPP Data Framework. 10 Domänen, vier ESPR-Kategorien. Unter NDA.

Ihr DPP-Audit starten

Häufig gestellte Fragen

Enthält der QR-Code eines Digitalen Produktpasses die vollständigen Produktdaten? +
Nein. Gemäß Artikel 10 Absatz 1 Buchstabe a der ESPR verbindet der Datenträger nur mit einer „dauerhaften eindeutigen Produktkennung“ — im Grunde ein Link. Die eigentlichen Produktdaten werden getrennt gespeichert und durch Scannen erreicht, nicht direkt vom Datenträger selbst gelesen.
Welche Daten speichert das EU-Register für den Digitalen Produktpass tatsächlich? +
Standardmäßig mindestens die eindeutigen Produktkennungen — so der Wortlaut der deutschen Fassung von Artikel 13 Absatz 1 (zum Begriff siehe Artikel 2 Nummer 30); die englische Fassung spricht allgemeiner von „unique identifiers“. Die Kommission beschreibt das Register als Datenbank, die die eindeutigen Kennungen, die Registrierungsdaten und übergeordnete Metadaten je Produkt speichert; laut ihrem Benutzerleitfaden (v1.03, 16. September 2026) hält das Register eine Teilmenge der Informationen vor, die zur Identifizierung des Passes und zum Zugriff darauf nötig sind, etwa eindeutige Produktkennungen und den Ort, an dem der Pass gehostet wird — nicht die vollständigen Passdaten. CEN-CENELEC, die Normungsorganisation, beschreibt ein Register, in dem die Kennungen der Produkte, der Hersteller und der Fabriken gespeichert werden (15. Juli 2026). Artikel 13 Absatz 1 verlangt die eindeutigen Produktkennungen als Mindestmaß; die Kommission kann gemäß Artikel 13 Absatz 2 zusätzliche Daten pro Produktgruppe verlangen, aber der vollständige DPP-Datensatz selbst verbleibt beim Wirtschaftsteilnehmer oder einem Digitalproduktpass-Dienstleister.
Wer ist tatsächlich dafür verantwortlich, die DPP-Daten eines Produkts zu hosten? +
Der Wirtschaftsteilnehmer, der das Produkt in Verkehr bringt, oder ein von ihm beauftragter Digitalproduktpass-Dienstleister — nicht die Europäische Kommission. Artikel 11 Buchstabe c verlangt, dass der Pass „von dem für seine Ausstellung verantwortlichen Wirtschaftsteilnehmer oder von unabhängigen Digitalproduktpass-Drittdienstleistern gespeichert“ wird. Das Register der Kommission enthält Kennungen und Registrierungsdaten, nicht den Datensatz selbst.
Welche technische Norm gilt für DPP-Datenträger? +
EN 18220:2026 „Digital product passport – Data carriers“, entwickelt vom CEN-CENELEC Joint Technical Committee 24. Sie wurde am 15. Juli 2026 als harmonisierte Norm im Amtsblatt zitiert (Durchführungsbeschluss (EU) 2026/1736 der Kommission), was Produkten, die sie korrekt anwenden, eine Konformitätsvermutung mit den grundlegenden Anforderungen der ESPR verleiht. Noch ist kein textilspezifischer delegierter Rechtsakt erlassen worden, sodass nicht feststeht, welche konkrete Datenträger-Technologie Modeprodukte verwenden müssen.

Quellen

Die Rechtstexte und die CEN-CENELEC-Seite wurden direkt auf EUR-Lex und der eigenen Website von CEN-CENELEC am 29.09.2026 abgerufen und geprüft; die Seite der Kommission zum DPP-Register, die Meldung der Kommission und der Benutzerleitfaden wurden am 13.10.2026 abgerufen. Dies sind allgemeine Informationen, keine Rechtsberatung.